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Die Ursachen der Misere Drucken E-Mail

Man sagt, wenn jemand mit dem Geld nicht zurechtkommt, hat er eben über seine Verhältnisse gelebt, falsch gewirtschaftet. Das reden uns die Politiker ein und die ganze Welt glaubt es. In Einzelfällen mag das zutreffen. Es ist aber keineswegs so, daß alle, die trotz großer Anstrengungen und Fleiß verschuldet sind, falsch gewirtschaftet haben.

Wohl läßt sich bei Obdachlosen, verschuldeten Familien, Unternehmen, den Länderhaushalten und auch beim Bund vielfach Mißwirtschaft nachweisen. Wenn öffentliche Aufträge als Auswirkung dieser Einsparpolitik gestrichen werden, führt dies durch die fehlende Nachfrage wiederum zu verstärkter Arbeitslosigkeit. Dies bedeutet andererseits den Wegfall von Steuereinnahmen, wodurch sich das Problem verschärft. Es müssen dadurch weitere staatliche Zuwendungen gekürzt werden u.s.w. Dies ist der bereits oben beschriebene Teufelskreis. So versuchen unsere Politiker an allen Ecken und Enden zu "sparen", was meistens diejenigen betrifft, die sich am wenigsten wehren können,

anstatt nach der eigentlichen Ursache der Misere zu suchen.

Die Ursache der Geldnöte liegt weder daran, daß die Industrie zu wenig Waren produzieren könnte, noch, daß die Arbeitslosen arbeitsunwillig wären, sondern am Geldsystem.

Die Problematik des herkömmlichen Wirtschaftssystems soll nachfolgend an einem 3-Personen-Modell mit hoher Arbeitslosigkeit dargestellt werden.

Arbeitslosenversicherungsanstalt

AL-Versicherung Arbeitsloser Arbeitsloser Produzent
1 oooooooooooooooo - - -
2 - oooooooo oooooooo -
3 - - - oooooooooooooooo
4 oooooooo - - oooooooo
5 - oooo oooo oooooooo
6 - - - oooooooooooooooo
7 oooo - - oooooooooooo
8 - oo oo oooooooooooo

In meinem Modell arbeitet nur ein Drittel der "Gesamtbevölkerung". Dies wäre eine Arbeitslosenquote von 66 2/3 %. Die Prozentzahl bezieht sich allerdings auf die Gesamtbevölkerung, während sich die offizielle Arbeitslosenstatistik auf eine andere Basis, die sog. Erwerbspersonen bezieht. Dieser Begriff ist recht unklar definiert und bezieht sich nur auf einen Teil der Bevölkerung. Mein Modell ist also noch problematischer als die Wirklichkeit. Es wird vorausgesetzt, daß die Leistungsfähigkeit des Produzenten so groß ist, daß er leicht die beiden Arbeitslosen (AL) und sich selbst mit Wirtschaftsgütern versorgen kann.

Ich gehe davon aus, daß sich in der Kasse der Arbeitslosenversicherungsanstalt (ALV) eine Geldmenge von 16 Geldeinheiten (GE) befindet. Die AL und der Produzent haben zunächst kein Geld. (Tabelle Zeile 1).

Der Staat, hier vertreten durch die ALV, zahlt für den 1. Monat an jeden AL 8 GE Arbeitslosengeld (Zeile 2).

Nun können sich die AL die Waren des Produzenten kaufen und bringen das Geld zu ihm. Die AL haben zwar nun kein Geld mehr, sind aber für einen Monat mit Waren versorgt. Das Geld ist jetzt bei dem Produzenten (Zeile 3).

In unserem etablierten Sozialsystem ist es so, daß derjenige, der Arbeit und damit Einkünfte hat, in die ALV einbezahlt, woraus die AL finanziert werden sollen. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung beträgt in unserem Beispiel 50% der Einkünfte. Die Einkünfte des Produzenten waren 16 GE, er muß folglich 8 GE in die ALV einbezahlen.
Der Staat hat nun in der ALV-Kasse nur noch 8 GE. Die anderen 8 sind beim Produzenten verblieben
(Zeile 4).

Nun kommt aber der zweite Monat und die AL brauchen wieder Geld. Der Staat kann aber jedem AL nur 4 GE geben (Zeile 5).

Ich denke, bis dahin ist alles klar und Sie können sich schon denken, wie es weiter geht.

Die AL müssen sich einschränken, denn sie bekommen für 4 GE nur noch halb so viel Waren wie im ersten Monat, wobei ich bewußt außer Betracht lasse, daß sich nicht ständig ein neues Gleichgewicht zwischen Geldmenge und Warenangebot einstellt (deflationäre Tendenz). Sie bringen das Geld wieder zum Produzenten (Zeile 6).

Die Einkünfte des Produzenten sind im zweiten Monat folgerichtig nur noch 8 GE. Er wundert sich, daß die Leute so wenig kaufen. Er fragt sich, ob etwa der Markt gesättigt ist. Scheinbar haben die Leute alles was sie brauchen. Das Geschäft geht schlecht.

Merken Sie etwas? In der aktuellen Wirtschaftsberichterstattung ist im Zusammenhang mit der schleppenden Konjunktur immer wieder die Rede von Kaufzurückhaltung. Das kling so, als wären die Leute skeptisch (weswegen wohl?) und wollte ihr Geld nicht ausgeben. In Wirklichkeit fehlt den Leuten das Geld, genau wie in unserem Modell. Welche Ironie? Von seinem Einnahmen, nun 8 GE muß der Produzent wieder 50% abführen, also 4 GE. Er hat nun noch 12 GE (Zeile 7).

Für den dritten Monat bekommen die AL demnach nur noch je 2 GE (Zeile 8), die sie ebenfalls für Einkäufe beim Produzenten aufwenden müssen.

Wohin das führt, wenn das so weiter geht, dürfte jedem klar sein. Infolge der ausbleibenden Nachfrage kommt die Produktion letztlich zum Stillstand.

Ich gehe davon aus, daß die Funktion der ALV (als sachliche Umverteilungsstation wie ein Automat) keiner näheren Erklärung bedarf.
Nehmen wir an, die beiden AL seien Staatsangestellte, z.B. ein Polizist und ein Lehrer, die aus Steuermitteln bezahlt werden müßten. Das Thema Arbeitslosigkeit wäre dann vom Tisch, das Problem aber das gleiche. Dann wären die Abgaben für den Produzenten keine AL-Versicherungsbeiträge, sondern Steuern. Der Steuersatz von 50% der Einkünfte reichte auch dann nicht aus.

<< Wussten sie schon ... ~ Silvio Gesell >>
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